Als der Hornist Wilhelm Bruns 1986 in eine Marktlücke stieß, indem er ein Ensemble gründete, das als "Deutsche Naturhorn Solisten" in der gesamten Musikwelt damals einmalig war, ahnte er wohl noch nicht, dass ihm damit ein Wurf gelang, der im Laufe von 2o Jahren zu sensationellen Auftritten im In- und Ausland führen sollte. Die Basis dafür schuf er selbst als Hornist, der die Möglichkeiten seines Instrumentes nicht nur genau kennt, sondern sie auch trefflich zu nutzen versteht. Dies war wieder einmal zu erleben beim mittlerweile dritten "Hubertus Konzert" am Samstag in der völlig ausverkauften Naturhorn Akademie in Ungstein anlässlich des 20 jährigen Bestehens dieses Ensembles. Seine Mitglieder besitzen allesamt meisterliches Format, sind technisch versierte Erzmusikanten. Zusammen mit Wilhelm Bruns (erstes Horn) bestritten Sabine Scharnagl (zweites Horn) und Tilman Schärf (drittes Horn) den ersten Konzertteil, während sich Thomas Berrang (erstes Horn), Michael Sebert (zweites Horn), die Bassisten Daniel Löffler und Ludger Holtmann später ins Geschehen einreihten. Wilhelm Bruns gab darüber hinaus eine humorvolle und bildhafte GalaVorstellung als Moderator, wobei er nicht nur über die Besonderheiten der beiden Horn Typen (Naturhorn und Jagdhorn) referierte, sondern auch über die einzelnen Komponisten und üue Werke Interessantes in leicht verständlicher und herrlich launiger Art zu berichten wusste.
Das Konzert begann mit drei kurzen Sätzen aus "24 Trios", den Standards aller hornblasenden Trios, des Hornisten Franz Zwierzina (1751 1825), die, herzhaft ¬spielerisch in den Ecksätzen und wohldosierter Dynamik im Menuetto, bereits einen beredten Einblick vermittelten in die enormen Schattierungs Fähigkeiten und die wunderbar atmende Melodik der Interpreten. Es folgten drei Sätze von dem in Darmstadt geborenen, zuletzt als Kapellmeister der Hofoper in Berlin tätigen Georg Abraham Schneider (1770 1839) aus seinen "18 Trios für Horn", in denen die erste Virtuosität aufblitzte, das sangliche Menuett mit tonlicher Wärme, die Intervallspiele des dritten Bildes mit gelöster Heiterkeit erfüllt wurden. Der Hornist Jean Joseph Kenn (1757 etwa 1819) gilt als Vater der französischen Hornmusik. Aus seinen "36 Trios für drei Hörner in E" hörte man ein mit virtuosen Läufen und weichgetönter Lyrik durchsetztes Allegro moderato, ein ausdrucksvoll klagendes Adagio und ein sprühendes Allegro mit schwierigem Pianissimo Mollteil. Bewundernswert auch hier die Harmonie und der vorzügliche Musizier Impuls des Ensembles.
Der erste Teil gipfelte in vier Sätzen aus "24 Horntrios" op. 82 des französisch böhmischen Musikpädagogen Anton Reicha (1770 1836), der mit Beethoven befreundet war und Liszt, Gounod, Berlioz und Cesar Franck zu seinen Schülern zählte. Hier waren alternierend zwei weitere Hörner zur Verstärkung eingesetzt. Im wunderbar intimen und eingängigen Lento, in der figurativen Turbulenz des Allegretto, der graziös geformten Thematik des Minuetto und den fast atemberaubenden Schwierigkeiten des scherzhaften Finalsatzes erstanden romantische Bilder von größter Eindringlichkeit und höchster Noblesse. Den ersten Teil beschlossen drei Sätze aus den "12 Horn Quartetten" des Hornisten Carl Oestreich (1800 1840). Hier bewunderte man vor allem die großartige Legato Ästhetik im choralartigen ersten, die geschliffene und elegant pointierende Arpeggien und Staccato-Technik im zweiten, die zauberhaft formulierte Triolen Thematik im hinreißend stürmisch endenden dritten Satz.
Den Jagdmusik Teil eröffnete Bruns mit einer Demonstration des Jagdhorns, stellte beeindruckend Rossinis klassisches Jagdstück "Das Rendez-vous de chasse" vor, agierte als Vorbläser in einigen bekannten Signalen, bevor weitere Jagdmusiken folgten: das beschauliche "Le Souvenir" von Lavignie, ein reizvolles "Jagdstück" der deutschen "Legende" Reinhold Stief, zwei bekannte Volkslieder, bei denen das Publikum kräftig mitsang, und P. Lauges prachtvoller "Marche des Cerfs" (Marsch des Hirsches). Dazwischen profilierte sich Wilhelm Bruns auch als Komponist und Arrangeur. Sein "Poéme", eine Erinnerung an früheres Jagdhorn Blasen, ist ein Paradebeispiel für Formsinn und Klangpracht. Und seine Bearbeitung von "La Manola des Chasseurs" zeugte von feinsinniger, kompetenter Auslegung. Die "Deutschen Naturhorn Solisten" brauchen keinen Qualitäts Vergleich mit renommierteren Ensembles zu scheuen. Instrumentale Virtuosität, Schwung, klare Phasierungskünste, geschmeidige Tongebung, faszinierender Klangsinn und prachtvolle Kantabilität feierten Triumphe. Die enthusiastisch erklatschte Zugabe war dann zwar nicht für Jagdhorn komponiert, löste aber großen Jubel aus: der berühmteste bayerische Schuhplattler mit seinem ruhigen "Abgesang".