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Konzert am 20. Januar 2007

Rheinpfalz vom 22.01.2007
Gerd Kowa

Gewöhnliche Ohren sträuben sich gerne gegen zeitgenössische Musik, weil sie so schräg klingt und nicht gemütlich. Auch alte Musik hat es bei Besuchern traditioneller Kammerkonzerte nicht leicht, besonders wenn sie auf historischen Instrumenten gespielt wird.

Im Konzertsaal der Naturhorn Akademie in Ungstein, wo man Stücke von Mozart, Danzi und Beethoven genießen konnte, wurden Verächter der klassischen Instrumente zu Bewunderern.

Der Argwohn gegenüber historischen Klängen hat Gründe. Nicht wenige musikalische Postkutschenapostel lieben die Maskerade. Sie tragen gerne Trachten aus Urväter Hausrat. Sie haben so etwas Ökomäßiges im Blut und am Körper. Darmbesaitete Streichinstrumente klingen manchmal ein wenig engbrüstig. Holzblasinstrumente wie die Oboe oder die Klarinette mit wenigen oder gar keinen Klappen neigen gerne zum Quietschen und Kreischen. Und Blechblasinstrumente, oh je, brummen einigermaßen doppeldeutig, "gicksen" und hören sich im Pulk an wie Feuerwehrkapellen in Hinteroberfuchsenbach.

Für solche etwas verwirrenden Klänge sollte man nicht die Instrumente verantwortlich machen, sondern Instrumentalisten, die nach dem 5o. Probespiel keine Orchesterstellen bekommen haben. Sie bedienen Krummhörner oder Gamben und gehen historisch verkleidet und verstimmt auf die Menschheit los. Sowohl im Bereich der zeitgenössischen als auch der alten Musik können nur Musiker überzeugen, die eine wissenschaftlich fundierte, oft langwierige Spezialausbildung hinter sich haben.

In Ungstein trafen sich virtuose Meister der historischen Instrumente und der alten Musik. Sie spielten auf Instrumenten der so genannten klassischen Epoche. So viel Sensibilität, Intimität, Klugheit und Schönheit wie diesmal hört man selten.
Wilhelm Bruns, Hausherr und Gründer der Naturhorn Akademie und erste Hornist des Orchesters des Mannheiiner Nationaltheaterorchesters, duldet keinen Dilettantismus. Er fühlt sich den Komponisten und deren Erfindungen verpflichtet. Im Es-Dur Quintett KV 452 für Klavier, Oboe, Klarinette, Horn und Fagott widmete der ungnädige und erbarmungslose Mozart dem Horn heikle, heimtückische Passagen. Für Bruns, einen ehemahgen Schüler des weltbekannten Hermann Bauman und republikweit gefragten Solisten und Kammermusiker, sind sie unproblematisch. Seine Töne sitzen perfekt und singen.

Die Pianistin Sheila Arnold, die bereits beim Clara-Haskü-Wettbewerb einen prominenten Preis errang, spielte auf einem Hammerflügel. Wer die rezitativisch anmutenden ersten Takte eines Quintetts von Franz Danzi in sich hinein strömen ließ, die ausdrucksvollen Progressionen der Töne bewunderte, bemerkte auch, dass die Hände und Arme der Künstlerin den Geist der Musik nahezu pantomomisch nachvollzogen. Ihr graziler Anschlag und ihre Sensibiliät für feinste Rückungen und musikalische Charaktere wirkten faszinierend. Das Instrument klapperte nicht und plapperte nicht. Es deklamierte besinnlich und ließ erahnen, wie sich Musik entfaltet, wenn sie nicht donnert, sondern, wie in einigen virtuosen Passagen des Es-Dur Beethoven-Quintetts, im Hintergrund rauscht. Dieses akkordische Rauschen kündigt bereits die romantischen Begleitstimmen eines Schumann an, die unter Akrobaten-Pranken mancher Pianisten von heute dem hohlen Rattem ausgeliefert werden.

Alte Instrumente haben ein individuelles Timbre. Der Eindruck der Homogenität eines historisch musizierenden Ensembles leitet sich paradoxerweise aus den mitunter etwas auffähigen Farbton-Kontrasten ab. Das aus dem Jahr 1790 stammende Fagott, das Sergio Azzolini spielte, der an der Basler Musikhochschule lehrt, inspirierte die von Antje Thierbach innig gespielte Oboe und die Töne der überragend musikalischen Klarinettistin Nina Janssen: ganz besonders im Quintett des Danzi. Für Kenner war das Konzert ein großes Ereignis, für Ahnungslose eine Offenbarung.








Naturhornseminar Dassel 2010
Naturhornseminar Dassel 2010
Und sie strömen wieder!
Trotz auffrischender Witterung war das Wochenende in Dassel wieder ein voller Erfolg. 72 Es-Horn-Bläser, darunter 3 Kinder, aus der ganzen Republik genossen diese vier Tage in vollen Zügen. Nach viel Unterricht, Themenarbeit in Gruppen, einem lustigen und informativen "Bunten Abend", sowie dem schon obligatorischen Konzert der Dozenten in der ev. Kirche, gingen die Teilnehmer nach einem sonnigen Abschluss am Sonntag in der Gewissheit nach Hause, dass 2011 wieder genau so schön werden wird.

Datum:
1. - 4. September.
Die Anmeldungen laufen schon. Einmal auf das Foto klicken und Du bist dabei!


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