Höchster künstlerischer Standard
Begeisterndes Hubertuskonzert in der Bad Dürkheimer Naturhorn-Akademie.
Rheinpfalz vom 04.11.2008
Bad Dürkheim. Die im Ortsteil Ungstein beheimatete internationale Naturhorn-Akademie ist aus dem kulturellen Spektrum der Stadt Bad Dürkheim nicht mehr wegzudenken, wie das jüngste "Hubertuskonzert" zu Allerheiligen einmal mehr bewies. Ihre Konzerte sind ein absoluter Publikums-Magnet, lassen Zuhörer aus Nah und Fern anreisen und den Konzertsaal bis zum letzten Platz füllen. Diesmal hatte man mit drei großen Meistern des 19. und fünf Komponisten des 20. Jahrhunderts ein analoges Programm ausgewählt.
Der Abend begann mit einer Demonstration der Stopf-Technik des Naturhorns durch den Leiter der Akademie, Wilhelm Bruns, der ein Grand Capricé-Allegro des französischen Horn-Virtuosen Jacques Francois Galley (1795-1864) vorstellte und dabei die verminderten Intervallsprünge, die kadenzartigen Läufe, die schwierigen chromatischen Tonleitern und Dreiklangketten souverän ausbreitete.
Zusammen mit Stefan Berrang spielte er dann ein bezauberndes Andante aus dem "Grand Duo" des gleichen Komponisten in vorbildlicher Harmonie. Bei den folgenden vier Stücken aus "36 Trios" von Jean Joseph Kenn (1757-ca. 1819) mussten die Stimmen auf vier Hörner verteilt werden, um Überanstrengung zu vermeiden. Im dynamisch variablen, klug phrasierten Spiel, im Wechsel von imposanter und sanglich-ausdrucksvoller Thematik, im Ausloten der marschartigen oder elegant-tänzerischen, mit schwierigen Läufen duchsetzten Rhythmik blieb kein Wunsch offen, auch wenn einmal eine kleine Unstimmigkeit einschlich.
Meister Kenn war ein Vorbild des in Prag geborenen, in Wien und Paris wirkenden und mit Beethoven befreundeten Musikpädagogen und Kammermusik-Komponisten Anton Reicha (1770 - 1836), aus dessen "24 Trios op. 82" man diffizil geblasenes Allegro, eine liedhafte, anmutige Musette und ein ungemein farbiges Largo-Allegro hörte. Und man war verblüfft von der Perfektion in Technik und Gestaltung.
Auf der ständigen Suche nach neueren Kompositionen für Naturhorn stieß Wilhelm Bruns auf Werke der französischen Horn-Spezialisten Frédéric Comte, A. Sombrun, Jules Cantin, Gustave Rochard und Ferdinand Andrieu. Das siebenköpfige Ensemble "Deutsche Naturhorn-Solisten" - neben Bruns und Berrang noch Karsten Schulze, Torben Klink, Tilman Schärf, Daniel Löffler und Ludger Holtmann - gefiel hier vor allem durch hohen künstlerischen Standard und spieltechnische Perfektion, ihre beeindruckende Virtuosität, die Homogenität des Zusammenspiels, aber auch durch den beherzten Zugriff bei den konzertanten Stücken, die weit über die instrumentenspezifische Bedeutung hinausgehen.
Kunstvoll realisieren sie die fanfarenartige Erhabenheit von "La Jovial", die melodische Schönheit, Feuer und Schluss-Rasanz der "Irma-Polka", das komplexe Virtuosen-Stück "Le Noces des Chasseures" mit seinen zart begleiteten Soli, den anmutig oder rhytmisch gefärbten Tanzweisen und eleganten Triolen-Passagen. Im folgenden "Adieux à St. Maurice" spürte man die Traurigkeit des Abschiednehmens. Unerhört weich intoniert, gelang der Gesang der Hörner. Und die fast bildhafte Schilderung des letzten Stückes - "Rambouillet" - ließ die Majestät des französischen Schlosses und des folkloristisch geprägten Lebens am Hof gut erahnen. Die punktierte oder tänzerische Rhytmik und das krönende Triolen-Finale hatten stärkstes Profil.
Der begeisterte, zum rhythmischen Klatschen anschwellende Beifall erzwang drei Zugaben: einen scharf punkierten Synkopen-Tanz als Kehraus, einen bajuwarisch angehauchten Marsch und eine jadgrufähnliche Wiederkehr in die eigentliche Welt des Naturhorns.
04.11.2008