Das Naturhorn sauber zu spielen, zählt zu den schwersten musikalischen Herausforderungen. Ein führender Spezialist auf diesem Gebiet ist Wilhelm Bruns, hierzulande vor allem bekannt als Gründer der Internationalen Naturhorn Akademie in Bad Dürkheim. Mit dem Erwerb der ehemaligen Flakhalle hatte Bruns vor vier Jahren nicht nur eine Heimat zum Proben und Konzertieren gefunden, sondern auch einen Aufnahmeort für seine CD Produktionen. Unter dem Label Profil Edition Günter Hänssler legte der Solohornist vom Nationaltheater Mannheim in Zusammenarbeit mit dem Mannheimer Mozartorchester rechtzeitig zum Mozartjahr eine Einspielung der Hornkonzerte des Geburtstagskindes vor.
Nach mehreren hochgelobten und preisgekrönten Aufnahmen mit Jagdmusiken und Hornkonzerten des 18. Jahrhunderts, die in der Vergangenheit gemeinsam mit den Deutschen Naturhorn Solisten produziert wurden, konserviert Wilhelm Bruns mit der vorliegenden Aufnahme nun die ganze Bandbreite seines solistischen Könnens. Gleichzeitig offenbart die Einspielufig der drei einzigen vollständig erhaltenen Hornkonzerte Mozarts (KöchelVerzeichnis 417, 447 und 495) die technischen Grenzen des völlig ventil und klappenlosen Instruments, dem naturgemäß lediglich eine begrenzte Auswahl an Tönen zu Gebote steht. "Stopftechnik" heißt das unschöne, ein wenig grobschlächtig mutende Zauberwort, bei der die Hand äußerst differenziert in den Trichter des Horns gesteckt wird, um ein Abdunkeln des Tones beziehungsweise durch das Herausnehmen eine Erhellung zu bewirken. Von der Theorie in die Praxis: Auf welche Art auch immer Wilhehn Bruns seinem Instrument die Töne entlockt für Laien bleibt es stets rätselhaft, wie man es schafft, einer einzigen Rohrspirale dermaßen viele verschiedene saubere Töne zu entlocken.
"Wolfgang Amadeus Mozart hat sich über den Leitgeb Esel, Ochs und Narr erbarmt zu Wien den 27: May": Mozarts eigenhändige, auf dem Autograph des Hornkonzerts Es Dur (KV 417) befindliche Widmung ist zum einen ein Beleg für die unverkrampft freundschaftliche Beziehung, die Mozarts seit 1763 mit dem Salzburger Virtuosen und Käserei Besitzer Joseph Leutgeb (1733 1811) pflegte. Zum anderen gibt sie einen deutlichen Hinweis auf die Schwierigkeiten, mit denen ein Naturhorn Komponist (das seit dem 19. Jahrhundert übliche Ventilhorn gab es noch nicht) zu kämpfen hatte. Sowohl dieses als auch die anderen beiden Konzerte sind Kinder ihrer Zeit und orientieren sich an damals gebräuchlichen Mustern: Sämtliche Teile sind sehr kurz gehalten, zwischen den flotten Ecksätzen bietet die kantable Romanze eine Verschnaufpause, frische, dreigeprägte Jagdmotive beschließen das Ganze. Ein gerüttelt Maß an Geschicklichkeit und ein gutes Gehör sind die Voraussetzungen, um auch in den tiefen Lagen
nicht nur unfallfreie Skalen, sondern auch einigermaßen reibungslose Übergänge präsentieren zu können. Wilhelm Bruns' Stärke liegt eindeutig in der Sauberkeit der Intonation, sprich in der Art, natürliche Schwebungen der Naturtonreihe im "wohltemperierten" Sinne auszugleichen. Klangliche "Ausrutscher" wirken in aller Regel gewollt und nicht versehentlich bewirkt. Den beim Horn so beliebten Klangstatus des Schmettems beherrscht Bruns, ohne dabei wirklich laut zu werden. Und wie ehemals Joseph Leitgeb betört er seine Hörer durch ein perfekt kontrolliertes Klangfarbenreichtum an offenen, gedeckten und gedämpften Tönen. Ein kleines Kuriosum erlaubt sich Bruns in der Kadenz zum 1. Satz des Konzerts KV 495: Gleich einem röhrenden Hirsch im Walde lässt er das Naturhom zweistimmig knarren. Ein Mozart also mit avantgardistischen Klangeffekten in der Kadenz ist eben traditionell (fast) alles erlaubt!
Begleitet wird Bruns bei allen drei Konzerten vom Mannheirner Mozartorchester, dass eigens im Hinblick auf das Mozart Jubiläum von Dirigent Thomas Frey gegründet wurde und ausschließlich auf Mozart und die Mannheimer Schule abonniert ist. Das Ensemble spielt zwar größtenteils auf modernen Instrumenten, bedient sich dabei allerdings historischer Spielpraktien, klar hörbar in der schnörkelos natürlichen Klanggebung, die sich gut mit dem Charakter des Naturhorns verträgt. Als besonderes Schmankerl klingt die CD mit Mozarts Hornquintett (KV 407) aus. Das ebenfalls aus Mannheiin stammende Quadriga-Quartett, den hiesigen Klassikfreunden bekannt durch seine Auftritte beim Hambacher Musikfest, sorgt im Wechselspiel mit dem Hornisten gleichfalls für aparte Klangmischungen und herrliche kammermusikalische Dialoge.